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Stradivaris Erben(von jk) Verwinkelt sind die Räume in der Immermannstraße 21. Durch die Fenster fällt fahlgelbes Licht und es riecht nach feinem Holz. Hier eröffneten im September letzten Jahres Kerstin Hoffmann und Claudia Rook ihre gemeinsame Werkstatt. Geigenbau ist nicht nur für Magdeburg ein ungewöhnliches Handwerk. Bei Kerstin Hoffmann begann sich die Liebe zum Geigenbau schon in sehr jungen Jahren zu entwickeln. Ihr damaliger Gitarrenlehrer an der Telemann-Musikschule überredete sie zu einem Besuch bei einem pensionierten Musiker. Der hatte sich in Kellerräumen der Musikschule eine kleine Werkstatt eingerichtet und kümmerte sich um die Pflege der Musikschulinstrumente. Schnell erkannte sie ihr handwerkliches Geschick und war vom Mythos des Berufes gefangen. „Der wird mich auch bis zu meinem Lebensende nicht mehr zu hören.“ Claudia Rook erlernte das Handwerk dagegen im vogtländischen Markneukirchen. Und weil ohne weiterführende praktische Erfahrungen die Ausübung dieses Berufes undenkbar wäre, verbrachte sie ihre Gesellenzeit an den verschiedensten Punktes des Globus, in Den Haag, Atlanta oder Salt Lake City. Die Erfahrungen von drei Jahrhunderten Geigenbau können zwar theoretisiert werden aber den letzten Schliff und die gewissen Tricks, die nötig sind um eine in Klang und Optik einmalige Geige zu bauen, erwirbt man nur praktisch. „Es gehört unglaublich viel Erfahrung dazu und man hört nie auf zu lernen.“ Vielleicht ein Grund, warum Geigenbauern so hartnäckig das Klischee des alten waisen Mannes anhaftet. Noch heute suchen die Geigenbauer nach dem Besonderen, dem Geheimnis der Großen ihrer Zunft des 16. Jahrhunderts. Und diese Suche wir wohl niemals aufhören. Ob sie schon einmal eine Stradivari in der hand gehalten hätten? „Ja, haben wir“ ist die kurze Antwort. Das älteste Instrument, an dem sie dagegen je gearbeitet haben, war eine Zanotti aus dem Jahre 1723. Wer den beiden bei ihrer Arbeit einmal über die Schulter schauen möchte, findet sie in ihrer Werkstatt. Vielleicht halten sie ein solch wunderschönes Kunststück, denn so bezeichnen sie Geigen liebevoll, in ihren Händen um ihm neuen Glanz und ein noch längeres Leben zu schenken. DATEs – Das Magdeburger Stadtmagazin Juli 2000
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