Hoffmann & Rook haben
sich „eingegeigt“
Magdeburger
Geigenwerkstatt hat sich etabliert
(von Ramona
Köhler)
„Hier sieht es
nicht so aus, wie man sich eine
Geigenbauwerkstatt vorstellt“, sagt die
28-jährige Claudia Rook und weist auf den
hellen Raum in einem Gründerzeithaus in der
Magdeburger Immermannstraße.
Zwei Werkbänke,
ordentlich an der Wand aufgehängtes Werkzeug
und natürlich die Musikinstrumente in
verschiedenen Fertigungsstufen prägen die
Meisterwerkstatt. „Eigentlich denkt man an
einen alten gebückten Mann mit lauter
verstaubten Kisten.“ Verstaubt ist bei
Claudia Rook und ihrer Partnerin nichts. Sie
wollen das alte Handwerk mit den modernen
Möglichkeiten pflegen. So ist es kein
Wunder, dass sie auch via Internet zu
erreichen sind:
http://www.violins4you.de.
Die beiden
Frauen haben sich vor einem Jahr in
Magdeburg niedergelassen, weil es hier noch
keine Meisterwerkstatt gab. Kerstin Hoffmann
wurde 1966 in der Elbestadt geboren. Die
Existenzgründerinnen waren gut vorbereitet
auf den Schritt. „Unterstützung vom Land
haben wir nicht bekommen“, sagt Kerstin
Hoffmann. Bei einer Magdeburger Bank seien
sie dann auf offene Ohren gestoßen. Die
erste Bilanz der Geigenbauerinnen fällt
positiv aus. Die Werkstatt hat sich
etabliert. Das habe natürlich viel Zeit
gekostet, räumt Kerstin Hoffmann ein.
Überzeugungsarbeit sei zu leisten gewesen,
dass man auf Qualität schauen sollte, die
habe natürlich auch ihren Preis. 70 Prozent
der Arbeiten machten jedoch Reparaturen aus.
„Wir sind auf eine dankbare Kundschaft
getroffen“, freut sich die 34-jährige. Sie
reicht vom Musikschüler über den Hobbygeiger
bis zum Berufsmusiker. „Zum Geschäft gehört
viel Feingefühl“, weiß die aus Schwerin
stammende Claudia Rook. „Musiker sind
sensibel“, fügt sie hinzu, und sie weiß,
wovon sie spricht. Sie studierte fünf Jahre
in Berlin an der Hochschule für Musik „Hanns
Eisler“ Violoncello. Die Erfahrung lehre,
das Instrumentenbauer und Musiker oft
verschiedenen Sprachen sprechen. Die
„Verständigungsschwierigkeiten“ kann sie
abbauen. Ebenso wie Kerstin Hoffmann hat
Claudia Geigenbau in Markneukirchen von der
Pike auf gelernt und später ein Studium
absolviert. Beide legten im Juli 1999 die
Meisterprüfung ab. „Der Geigenbau hat
weltweit noch nie solch ein hohes Niveau
gehabt wie derzeit“, sagt Kerstin Hoffmann.
Das werde immer
wieder bei den großen Wettbewerben deutlich.
Kerstin hatte 1998 beim 13. Internationalen
Wettbewerb in Salt Lake City in der
Kategorie Violinbogen einen 3. Preis geholt.
Claudia und Kerstin bauen derzeit an
Instrumenten für Wettbewerbe in Cincinnati
und Cremona.
Lausitzer
Rundschau 30.09.2000 |