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In Stadtfeld hängt der Himmel voller Geigen(von Thomas Rochow) „In Wien, Leipzig oder Köln wären wir von vielen ein Anbieter. Magdeburg aber ist noch ein weißer Fleck. Und ein sympathischer dazu“, sagt Kerstin Hoffmann, Geigenbaumeisterin in der Elbestadt. Als unlängst die Eröffnung der Geigenbauwerkstatt in der Immermannstraße 21 gefeiert wurde, waren die Meisterbriefe – acht Wochen war die Prüfung bereits Geschichte – noch nicht ausgestellt. Trotzdem erfüllten sich mit Kerstin Hoffmann und Claudia Rook zwei Frauen, die mit 33 bzw. 27 Jahren halb so alt sind, wie das Holz, das sie verarbeiten, mutig ihren Lebenswunsch. In der Geigenbauwerkstatt hängen Leimtöpfe, Schraubstock, Schleifpapier. Auf der Werkbank liegt ein Violoncello, darauf wartend, nach der Reparatur wieder mit warmen Tönen einem Orchester zum runden Klang zu verhelfen. An der Wand ein Regal voller Geigen, halbfertige, zugeschnittene, unlackierte. Aber auch bereits bespannte, fertige, eingespielte Geigen Marke „Hoffmann & Rook“. Bereit, verkauft zu werden. Die ersten drei Meistergeigen werden bereits von Schülern der Telemann-Musikschule gespielt. Dort begann auch der Weg der Magdeburgerin Kerstin Hoffmann als Gitarrenschülerin. Ihr Lehrer Günther Dörr fragt das junge Mädchen eines Tages, was sie beruflich machen möchte. Die Antwort kommt nicht gerade spontan. Daraufhin sein Hinweis, dem seinerzeit im Keller der Musikschule arbeitenden Geigenbauer Kunz doch mal über die Schulter zu schauen. Es entsteht eine Leidenschaft, die dazu führt, dass Kerstin 1982 eine Geigenbau-Lehre im vogtländischen Markneukirchen beginnt. Hier trifft sie ihren heutigen „Compagnon“, ihre spätere Freundin Claudia, die in Berlin ein fünfjähriges Studium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ beginnt und ihr Diplom im Fach Violoncello macht. Kerstin vervollkommnet während des Musikinstrumentenbau-Studiums an der Zwickauer Hochschule ihre Kenntnisse im Bogenbau. Ausdruck ihres Ehrgeizes und eine Überprüfung ihrer Qualifikation ist die Teilnahme 1998 am 13. Internationalen Wettbewerb in Salt Lake City, den sie mit dem 3. Preis in der Kategorie Violinbogen abschließt. In Den Haag lernt sie bei Geigenbaumeister Willem Bouman die hohe Kunst der Restaurierung von historischen Streichinstrumenten. Im Sommer 1999 beendet sie mit „Auszeichnung“ das Studium. Stolz zeigt Kerstin eine Barockgambe mit kunstvoll geschnitztem Kopf: eine Muse mit fließendem Haar, auf zum Teil durchbrochenen Blattornamenten gebettet. Es ist ihr Nachbau vom 1731 gebauten Original des Bachfreundes und Namensvetters Hoffmann. „Nicht nur klangtechnisch eine Herausforderung, sondern eine akribische wissenschaftliche Arbeit, die einem historischen Nachbau vorausgeht“, sagt sie. Kerstin ist wie Claudia Mitglied der „Violin Society of America“, ein Hinweis auf die Anerkennung, die sich die beiden in America erwarben. „Gemeinsam werden wir alle Streichinstrumente reparieren. Demnächst präsentieren sie zu den „Berliner Tagen alter Musik“ im Oktober in einer Ausstellung ihre selbstgebauten historischen Instrumente. Magdeburger Volksstimme 26.10.1999 |
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