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Das Bogenhaar |
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Ein Naturprodukt: Herkunft, Aufbau und VerarbeitungsweiseAn den Schweifen robuster Pferde auf die stolze Länge von über 80 cm bis sogar 130 cm angewachsen, danach gereinigt, sortiert, gebündelt und auf die richtige Länge geschnitten bildet das Bogenhaar einen wesentlichen Bestandteil des Streichbogens.
Es stellt den direkten Kontakt zwischen Bogen und Instrument her. Das am
häufigsten verwendete Bogenhaar kommt aus der Mongolei oder China und ist von hellgelber, fast weißer Färbung.
Chemisch gebleichtes Haar ist für die Verwendung im Bogenbau nicht geeignet. Es
ist spröde und würde dadurch zu schnell reißen. Man bevorzugt Schweifhaar von
Hengsten, da dessen Struktur, anders als bei Stutenhaar, nicht vom Urin
angegriffen wird. Wesentlich für die Gebrauchseigenschaften des Bogens ist es, die richtige Bezugstärke auf den Bogen abzustimmen. Feste Stangen vertragen einen etwas dickeren Bezug als weichere. Ist der Bezug jedoch zu stark gewählt, kann es beim Spielen zu unerwünschten Nebengeräuschen kommen. Es liegen dann zu viele Haare übereinander, sodass an der Kontaktstelle zur Saite, durch Verschiebungen der Haare im Bund, Rauscheffekte auftreten. Ein zu dünner Bezug kann der Kraft der Stange nicht lange standhalten, wodurch sich die Haare zu schnell ausdehnen. Ein Problem bei der Verarbeitung des Naturproduktes Haar liegt in der Längenänderung des Materials bei Witterungseinflüssen. Rosshaar findet nicht ohne Grund Verwendung im Hygrometer, einem Messgerät zur Bestimmung der Luftfeuchtigkeit. Bei hoher Luftfeuchtigkeit dehnt sich das Haar aus, wodurch der Zeiger des Messgerätes seine Stellung ändert. Diese Eigenschaft, in diesem Bereich nutzbringend eingesetzt, wirkt sich im Bogenbau jedoch negativ aus. Wird ein Bogen im Frühjahr, also gegen Ende der mit trockener Raumluft verbundenen Heizperiode, korrekt bezogen, werden die Haare kurze Zeit später, mit steigender Luftfeuchtigkeit, zu lang. Umgekehrt wird ein bei schwülem Sommerwetter erneuerter Bezug bei "normaler” Witterung zu kurz sein. Dieser Umstand verlangt vom Bogenmacher viel Fingerspitzengefühl bei der Wahl der Länge des Bezuges.
Um die Haare jedoch überhaupt an der Saite haften
zu lassen, benötigt der Musiker noch das so genannte Kolophonium, mit dem er den
Bezug bestreicht. Dieses Kolophonium wird aus verschiedenen Baumharzen und
Beimengungen hergestellt und in verschiedenen Farbschattierungen, von
bernsteinfarben bis fast schwarz angeboten. In engen Grenzen kann Kolophonium
den Klang des Instrumentes beeinflussen. (Mehr zum Thema finden Sie hier:
Das Kolophonium)
An dieser Stelle möchte ich kurz auf das Prinzip der Tonerzeugung eingehen. Der
schwedische Physiker Anders Askenfelt hat sich intensiv mit diesem Thema befasst
und seine Ergebnisse anlässlich eines Symposiums zum Thema "Der Streichbogen” in
einem bisher leider unveröffentlichten Vortrag dargestellt. zur Verfügung gestellt von Thomas M. Gerbeth |
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