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Der Name Violoncello
Der
Ausgangspunkt für den Namen Violoncello und alle anderen Instrumente aus der
Violinfamilie ist das romanische Wort Viola, welches bis in das 16. Jahrhundert
eine Gesamtbezeichnung für die verschiedenen Formen der Streichinstrumente war.
In Italien wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts das Stammwort Viola bzw. Viole
mit der Wortergänzung da gamba und da braccio genannt, welche ausschließlich die
Spielhaltung bezeichnete, um die Instrumente der Gamben- und Violinfamilie zu
unterscheiden. Dementsprechend bezeichnete man das Bassinstrument Basso di Viola
da braccio, Basso de viola da braccio oder kurz Basso da braccio. In Frankreich
unterscheidet man nach der Mitte des 16. Jahrhunderts die Instrumente der Gamben
und Violinfamilie mit den Benennungen viole und violon. Somit wurde das
Bassinstrument der Violinen Bas de violon oder Basse de violon benannt. Im
deutschsprachigen Raum wurde anfangs nach Groß Geigen und Klein Geigen
unterschieden, bis dann im 17. Jahrhundert die italienische Bezeichnung
übernommen wurde. Wesentlich zu bemerken ist, dass bei allen Bezeichnungen der
Instrumente der Violinfamilie die unterschiedlichen Spielhaltungen außer Acht
gelassen wurden und somit die Bezeichnung für das Bassinstrument in der
ursprünglichen wörtlichen Bedeutung nicht mehr zutrifft. Im 17. Jahrhundert
erlangte die Benennung Violone in Italien entscheidende Bedeutung. Es wurde nach
einer Bezeichnung für das Bassinstrument verlangt, das dem wörtlichen
Verständnis nicht entgegenstand. Noch im 16. Jahrhundert der Oberbegriff für
alle Gambeninstrumente, wandelte sich die Bedeutung am Anfang des 17.
Jahrhunderts, so dass Violone als Vergrößerungsform zu Viola nicht mehr zur
Unterscheidung einer Instrumentenfamilie, sondern zur Differenzierung nach
Stimmlagen innerhalb dieser benutzt wurde. Der Vorläufer des Namens Violoncello
genannt Violoncino erschien erstmalig im Jahre 1641 auf dem Titelblatt einer
Violinsonate von Giovanni Battista Fontana. Der uns geläufige Ausdruck
Violoncello taucht in italienischen Streicherkompositionen erstmals im Jahre
1665 bei Giulio Cesare Arresti auf. Die beiden Bezeichnungen Violoncino und
Violoncello sind dadurch entstanden, dass dem Vergrößerungssuffix -one (von
Violone) nochmals die Verkleinerungssilbe -cino bzw. -cello angefügt wurde. So
bedeuten Violoncino bzw. Violoncello kleiner Violone oder kleine Baßgeige.
Der Aufbau des Barockcellos
Das
Violoncello der Barockzeit unterscheidet sich in wesentlichen Merkmalen vom
heutigen gleichnamigen Instrument. Entscheidende bauliche Veränderungen, die
nach der Mitte des 18. Jahrhunderts vorgenommen wurden, betrafen nicht allein
das Violoncello, sondern alle Instrumente der Violinfamilie. Die Wandlung des
Klangideals und die Vergrößerung der Aufführungsräume machten es in dieser
Epoche der musikgeschichtlichen Entwicklung erforderlich, das Tonvolumen der
Instrumente anzupassen. Hatten die Instrumente der Barockzeit noch einen flachen
Halswinkel von 1° bis ca. -5° Neigung zur Hauptachse des Instrumentes und eine
kürzere, nicht standardisierte Spielmensur (= freischwingende Saitenlänge), so
machten es die neuen Anforderungen an die Musiker erforderlich, die
Schrägstellung des Halses zu erhöhen und ihn zu verlängern. Weiters wurde das
keilförmige Griffbrett durch eines mit gleicher seitlicher Stärke ersetzt, da
die Schräglage nun ausschließlich von der Neigung des Halses bestimmt wurde. Die
vergrößerte Halsneigung bedingte nunmehr einen höheren Steg. Auf diese Weise
erhöhte sich der Druck auf die Decke des Instrumentes und die Saitenspannung
wurde vergrößert. Dadurch gelang es, die Schallabstrahlung des Instrumentes zu
intensivieren.
Gegenüber dem modernen Cello war das Griffbrett in den Abmessungen in
Längsrichtung zum Steg hin deutlich kürzer und nicht wie heute üblich aus
massivem Ebenholz gefertigt. Vielmehr war es üblich einen Weichholzkern mit
exotischen Hölzern zu furnieren. Der Bassbalken hatte viel geringere Belastungen
zu tragen. Er war deutlich schlanker, kürzer und flacher. Auch hatte der
Stimmstock einen um ca. 3 mm geringeren Durchmesser als heute.
Beim Barockcello wurde der Hals auf den Korpus aufgesetzt und genagelt. Durch
die erhöhten Kräfte, die wir beim modernen Cello vorfinden, wurde es notwendig,
den Hals nunmehr in den Oberstock und damit in den Korpus einzusetzen. Eine
verbesserte Stabilität der Verbindung zwischen Hals und Klangkörper war das
Ergebnis.

Das typische Merkmal der historischen Bauweise
ist der dezente Klang mit seinem kammermusikalischen Charakter und feinem
Timbre. Er entsprach dem Ideal für die in der Barockzeit üblichen Musizierpraxis
an den Höfen des Hochadels und Sakralräumlichkeiten. Heute wird mit entsprechend
gefertigten Instrumenten durch zahlreiche Künstler in historischer
Aufführungspraxis dieses Klangerlebnis wieder belebt.
Spielhaltung
Sieht man von den sehr unterschiedlichen Schulen
der Instrumentalisten einmal ab, so hat sich in der heutigen Zeit eine normierte
Instrumentenhaltung verbreitet, bei der das Violoncello zwischen den Beinen auf
einem Stachel steht.
Entgegen
dieser modernen Haltung wurde das Violoncello im Barockzeitalter zwischen Waden
und Knien ohne Benutzung eines Stachels gespielt. Wie auf dem untenstehenden,
historischen Gemälde aus dem Jahre 1764 von dem Maler Pompeo Batoni
(zugeschrieben) dargestellt, wurde es an die Brust gelehnt und zwischen den
unterschiedlich angezogenen Beinen so gehalten, dass die Bogenführung nicht
beeinträchtigt wurde. Der Komponist und Cellist Luigi Boccherini zeigt uns neben
dem oft diskutierten Obergriff am Streichbogen, auch die oben beschriebenen
baulichen Merkmale seines Instrumentes.
Die Rolle des Cellos im Barockzeitalter
I m Italien des 17. Jahrhunderts ist die
wichtigste Rolle des Bassinstrumentes der Violinfamilie zunächst die Mitwirkung
bei der Ausführung des Generalbasses (Basso continuo) in der Opern- und
Kirchenmusik. Im Theater verdrängte das Violoncello die Bass-Gambe durch sein
größeres Tonvolumen. Nach der Jahrhundertmitte wurde die Generalbassfunktion in
der Kammermusik und in den folgenden Jahrzehnten die solistische Herausforderung
an das Violoncello immer stärker. Anfang des 18. Jahrhunderts verließ sich die
Kammermusik in nahezu jeder Besetzung für die Bassstimmen vor allem auf dieses
Instrument. Die virtuose Solomusik nahm in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts
mit Sonaten und Konzerten für das Violoncello kräftig zu, so dass am Ende des
Barockzeitalters durch Werke von Johann Sebastian Bach und Luigi Boccherini, um
nur zwei Hauptvertreter zu nennen, ein umfangreicher Fundus an Literatur für das
Barockcello vorhanden war.
Claudia Rook
Aus:
„Das Violoncello im Barockzeitalter – Nachbau eines Violoncellos von Simpert
Niggel“, Diplomarbeit von Claudia Rook (1999) |
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